Tongariro-Crossing – quer durch die wilde Natur Neuseelands

Tongariro-Crossing – quer durch die wilde Natur Neuseelands

5. August 2018 0 Von Fabrice

Die Wanderung durch den Tongariro-Nationalpark auf Neuseelands Nordinsel zählt zu den schönsten Tageswanderungen der Welt – für viele führt sie diese Liste sogar an. An einem Tag durchwandert man neben dem beeindruckenden Vulkanmassiv mehrere Vegetationszonen und bekommt einen guten Einblick in die Vielfalt des fernen Pazifikstaates. Selbst wenn ihr dem Wandern gegenüber eigentlich abgeneigt seid, solltet ihr diese Tour bei eurer Neuseelandreise definitiv nicht auslassen. Im Januar konnte ich mir selbst einen Eindruck verschaffen und würde diese Wanderung jederzeit wiederholen.

Neuseeland ist ja eigentlich schon seit Jahren kein wirklicher Geheimtipp mehr. Ausgelöst durch Peter Jacksons Herr-der-Ringe-Trilogie boomte der Tourismus im Land Anfang des Jahrtausends, ein Trend, der bis heute anhält. Nach der Schule oder Uni wollen viele junge Menschen für ein Jahr in das Nachbarland Australien oder eben Neuseeland. Leider leidet darunter natürlich auch die Natur und die Möglichkeit, sie möglichst ungestört zu genießen. Horden von Backpackern strömen jeden Sommer durch das Land, Camper blockieren die oft kurvigen und schmalen Straßen. Der geneigte Leser hat vielleicht schon festgestellt, dass ich eher kein Freund des Massentourismus bin und überlaufene Orte tendenziell meide. Dennoch übt Neuseeland mit seiner vielfältigen und wunderschönen Natur und den freundlichen Menschen auf mich einen besonderen Reiz aus. Anfang dieses Jahres konnte ich mir dann endlich einen Kindheitstraum erfüllen und besuchte mit meiner Freundin (übrigens gebürtige Neuseeländerin) das Land.

Auf unserem Roadtrip durch die Nordinsel übernachteten wir in einem kleinen Ferienhaus in Ohakune, welches einem Onkel meiner Freundin gehört. Ohakune, hauptsächlich bekannt für die gigantische Karotte an der Orteinfahrt, ist ein kleiner Ort im Ruapehu District, dreieinhalb Autostunden nördlich von Wellington und direkt südlich des Tongariro Nationalparks gelegen. Es ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen in den Nationalpark oder auch Zwischenstopp auf dem Weg zum Lake Taupo. Am frühen Morgen brachen wir von unserem Haus auf Richtung Nationalpark. Leider hatten wir uns vorher nicht noch mit Proviant eingedeckt und unsere Hoffnung, die einzige Tankstelle in Ohakune, hatte leider noch nicht auf. So fuhren wir etwas nervös durch eine dichte Nebelwand über den Highway, wurden aber auf nach drei Viertel der Strecke durch eine plötzlich aus dem Nebel auftauchende Tankstelle im National Park Village erlöst. Der geschäftstüchtige Besitzer hatte ein regelrecht paradiesisches Warenangebot für Wanderer, hier hätten wir uns sogar noch mit den letzten kleinen Ausrüstungsteilen eindecken können. Stattdessen entschieden wir uns für einen traditionellen ‚Mince and Cheese‘-Pie zum Frühstück sowie Müsliriegel, Nüsse und reichlich Wasser für die anstehende Wanderung.

Gestärkt und versorgt setzten wir unsere Fahrt durch den nebeligen Nationalpark fort – von den charakteristischen (und teilweise aktiven) Vulkanen war leider nichts zu sehen. Schließlich erreichten wir den Ketetahi carpark, gleichzeitig das Ziel der Wanderung. Von hier sollte uns ein Schuttlebus zum Start des Wanderpfads bringen. Obwohl die verschiedenen Busanbieter warnen, dass die Parkplätze hier begrenzt seien, hatten wir, vermutlich aufgrund des Nebels, keine Probleme und konnten sogar einen der kostenlosen Plätze am Straßenrand ergattern. Pünktlich holte uns der kleine und schon etwas ältere Bus am Parkplatz ab und wir polterten über die Straße zurück in die Richtung, aus der wir gerade erst gekommen waren. Inzwischen hatte sich der Nebel aber gelichtet und eröffnete den Blick auf das beeindruckende Panorama des Nationalparks. Über eine kleine Schotterpiste ging es in Richtung der ersehnten Vulkane zum Mangatepopo carpark, wo uns der Bus absetzte. Nicht unweit des Parkplatzes gab es auch für lange Zeit die letzte befestigte Toilette.

Durch schwarze Lavalandschaften starteten wir die Wanderungen auf dem gut befestigten Weg. Vor uns lag der Mount Ngauruhoe, der für die Mittelerde-Trilogie in Mount Doom (Schicksalsberg) umgetauft wurde. Es war urplötzlich brütend heiß, und die karge Landschaft bot keinen Schatten. So nahmen wir dankend den Umweg zu einem kleinen Wasserfall in Kauf, der durch einen Wegweiser ausgewiesen war. Hier konnten wir uns eine willkommene Abkühlung gönnen und die Wasserflaschen nochmal auffüllen – eine gute Idee, wie sich später noch zeigen sollte.

Nach einer kurzen Pause gingen wir weiter und nährten uns dem berüchtigen Devil’s Staircase, was übersetzt soviel wie Treppenhaus des Teufels bedeutet. Knapp 400 Höhemeter mussten nun über in den Felsen geschlagene Stufen bewältigt werden. Glücklicherweise verirrte sich eine Wolke zu uns, andernfalls hätte uns die Hitze wohl in die Knie gezwungen. Durch die Wolke ging es dann weiter die Treppe hoch – mittlerweile befanden wir uns in einer großen Traube von Wanderern, was das Erlebnis leider etwas trübte. Viele von ihnen konnten wir aber noch in der Wolke hinter uns lassen, sodass wir den nun folgenden riesigen Südkrater beinahe alleine erreichten. Hier erwartete uns, umgeben von steilen Felswänden, eine flache Sandwüste, durch die wir auf den höchsten Punkt der Wanderung, den Red Crater, zusteuerten. Auf dem nun folgenden, erneut steilen Anstieg gab es glücklicherweise eine gute Gelegenheit für eine Pause. Ein kleines Plateau bot uns und den anderen Wanderern eine super Aussicht auf den südlichen Tongariro-Nationalpark.

Durch die Höhenlage war die Temperatur inzwischen sogar sehr angenehm, sodass wir uns in Ruhe einen kleinen Snack gönnten. Anschließend wagten wir uns an den letzten Aufstieg der Wanderung, hoch zum Gipfel des Red Craters. Von hier konnten wir erstmals einen Blick auf das Highlight der Wanderung erhaschen: die Emerald Lakes. Hierbei handelt es sich um drei türkisfarbene und dampfende Vulkanseen, die im Sonnenlicht mit ihren schwefligen Ufern in den verschiedensten Farbtönen schillerten. Ein wirklich wundervoller und magischer Anblick! Der Abstieg zu den Seen war allerdings auch der einzige, relativ unbefestigte Teil des Weges, der Untergrund war steil und bestand hauptsächlich aus lockeren Steinen und Sand, wodurch man gut aufpassen musste, nicht zu stürzen. Dennoch bot sich hier auch die Gelegenheit für ein paar tolle Fotoaufnahmen.

Kurz darauf kamen wir an den Blue Lake, dessen Māori-Namen ich leider weder aussprechen, noch buchstabieren kann. Dieser See war von einer tiefblauen Farbe und wesentlich größer als die kleinen Emerald Lakes, allerdings auch ohne den strengen Schwefelgeruch, der Vulkanseen sonst immer begleitet. Ab hier änderte sich die Vegetation erneut, wir gingen nun durch eine grasgesäumte Hügellandschaft. Der Weg zog sich hier in Serpentinen den Hügeln hinab und es wurde wieder heißer. Dadurch bemerkten wir, dass sich unsere Wasservorräte dem Ende zuneigten. In Sichtweite lag allerdings die Ketetahi-Hütte, wo wir hoffentlich unsere Flaschen wieder auffüllen oder zumindest ein Getränk erwerben könnten. Leider entpuppte sich diese als verschlossene Holzhütte, die wohl seit dem letzten Vulkanausbruch 2012 nur noch als Notunterkunft dient… mist! Hier hätten wir uns vielleicht vor der Wanderung besser informieren sollen.

Pragmatisch wurden die letzten Wasservorräte nun also streng rationiert, obwohl der Parkplatz auch schon in „Sichtweite“ lag – allerdings weit vor uns im Tal. Immer höher wurde die Vegetation um uns rum nun, die alpine Landschaft wich Stück für Stück dichtem und schattenspendenden Busch. Eine wahrhaft willkommene Abwechslung. Leider waren wir nun auch ohne Orientierung, alles um uns sah gleich aus und der Weg durch den Dschungel schien endlos. Schon merkwürdig – wir gingen hier maximal eine Stunde durch die Bäume den Weg hinab, aber ohne Anhaltspunkte in der Landschaft kam es uns mindestens wie die doppelte Zeit vor. Ohne den kleinen Wasserfall zu Beginn der Wanderung wären wir jetzt gewiss schon dehydriert. Endlich lichtete sich nach einer gefühlten Ewigkeit der Wald und wir erreichten den Parkplatz mit dem Auto und der Möglichkeit, sich an der schon erprobten Tankstelle ein Getränk zu holen. Wer hätte gedacht, dass eine kalte Cola so gut schmecken kann? Ein bisschen wehmütig, aber auch sehr erschöpft fuhren wir auf dem Rückweg noch ein letztes Mal an dem Vulkanmassiv vorbei. Eine wirklich tolle Wanderung, die man jedem unabhängig von der Wandererfahrung ans Herz legen kann.

Der Tongariro-Nationalpark liegt direkt am State Highway 1. Bei Rangipo, südlich vom Lake Taupo, müsst ihr auf den Highway 46 abbiegen, dort findet ihr den Parkplatz.

Es gibt zahlreiche Hostels nahe am Einstieg, die ihr über booking.com buchen könnt. Ohakune bietet im Vergleich dazu ein schönes kleines Örtchen mit guten Ausgehmöglichkeiten, hier kann man auch durchaus ein paar Nächte länger bleiben. Übrigens ist der Ort auch im Winter bei Skifahrern sehr beliebt. 

In Ohakune hat uns The Cyprus Tree Restaurant & Bar sehr gut gefallen. Wie ein ein klassischer Pub empfängt euch das Restaurant mit einer warmen Atmosphäre, aber ungewöhnlich exotischen und handwerklich guten Küche zu einem fairen Preis.

Es gibt viele Busanbieter, aber die Preise unterscheiden sich nur marginal. Buchen könnt ihr den Transfer hier, hier oder auch hier ab 30$ (etwa 20€). 

Nehmt euch unbedingt ausreichend Wasser (3-4l pro Person im Sommer) und Verpflegung mit. Der Weg ist zwar großteils befestigt, aber die Bedingungen sind sehr alpin und erfordern das obligatorische feste Schuhwerk.